Exklusiver LIVE-Vortrag bei Ihnen vor Ort

Gerne halte ich zu diesem oder ähnlichen Themen auch einen LIVE-Vortrag bei Ihnen vor Ort, sprechen Sie mich gerne wegen möglicher Themen, Termine, Dauer und der Kosten an. 

In meinem aktuellen, reich bebilderten Vortrag gebe ich einen kurzen Überblick über die Geschichte von Schrift und Buch, erkläre Sinn und Nutzen meiner Arbeit als Buchrestauratorin und lasse mir als Höhepunkt von Ihnen bei der Restaurierung eines Codex aus der Renaissance über die Schulter schauen.  Hiernach stelle ich mich gerne Ihren Fragen und analysiere im Anschluss live beschädigte Bücher, die von Ihnen oder den Zuschauern mitgebracht werden können. Zu jedem Buch gebe ich eine Restaurierungsempfehlung. Als technische Voraussetzung benötige ich die Möglichkeit meinen PowerPoint gestützten Vortrag zu zeigen. 

Kostenloses Webinar

In meinem reich bebilderten Vortrag gebe ich einen kurzen Überblick über die Geschichte von Schrift und Buch, erkläre Sinn und Nutzen meiner Arbeit als Buchrestauratorin und lasse mir als Höhepunkt von Ihnen bei der Restaurierung eines Codex aus der Renaissance über die Schulter schauen. Im Anschluss stelle ich mich gerne Ihren Fragen. Das Webinar dauert inklusive Frage- und Diskussionsrunde circa 45 Minuten, die Teilnahme am Webinar ist kostenfrei. Termine können für Gruppen nach Absprache auch exklusiv gebucht werden. 

Aktuell sind alle Termine ausgebucht, auch deshalb habe ich meinen Vortrag - in voraussichtlich fünf Etappen - für Sie als Videos aufgenommen. 

Nach der Sommerpause geht es mit den Webinaren weiter, die nächsten Termine werden im September stattfinden. 

Die Teilnehmerzahl ist limitiert. 

VIDEO-SERIE
Einblicke in die Geheimnisse der Buchrestaurierung

Im zweiten Video erzähle ich vom Codex und seinen Nachfolgern. Es sind nur ein paar Highlights, schließlich gäbe es noch so viel mehr zu erzählen, aber das tue ich dann in meinem LIVE-Vortrag zu demselben Thema. In der nächsten Zeit veröffentliche ich hier und auf meinem Youtube-Kanal "Buchrestaurierung - gekonnt & ideenreich" stetig weitere Videos.

Ich freue mich sehr auf Ihr Feedback und natürlich auch über Ihre Buchung meines Vortrags als Webinar oder bei Ihnen vor Ort: 

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BLOG

Mein Leben als Buchrestauratorin.

In seinem 8-strophigen Gedicht „To A Mouse“ gedenkt Robert „Rabbie“ Burns 1785 wehmütig einer kleinen Mäusefamilie, deren Nest er beim Pflügen zerstörte:

Wee, sleeket, cowran, tim’rous beastie,
O, what a panic’s in thy breastie!
Thou need na start awa sae hasty,
Wi’ bickerin brattle!
I wad be laith to rin an’ chase thee
Wi’ murd’ring pattle!

Der schottische Nationaldichter lebte zu dieser Zeit in Mauchline und bewirtschaftete da mit seinem Bruder einen kleinen Hof. Mit der „Belle of Mauchline“ Jean Armour, der Liebe seines Lebens, hatte er neun Kinder, drei weitere von anderen Frauen. Er galt als warmherziger, naturverbundener Mann, der Kinder und Tiere, besonders aber die Frauen liebte. Er wird in seinem Heimatland - and beyond! - bis heute tief verehrt. Sein gefühlvolles „Auld Lang Syne“ ist weltbekannt und wurde von Joseph Haydn bis zu den Beatles hunderte Male interpretiert.

Ich halte heute ganz andächtig einen seiner Gedichtbände in Händen, um ihn behutsam zu restaurieren. Das Buch ist undatiert, allerdings steht eine Jahreszahl als Teil einer Widmung auf dem Vorsatzpapier. Es ist also wohl um 1821, 25 Jahre nach seinem frühen Tod, erschienen, die Jahreszahl passt auch zur Ausstattung. Das Leder ist trocken und mürbe, aber weitgehend intakt, die Fälze sind nicht gebrochen, das Papier ist durch häufiges Lesen ein wenig verschmutzt, hat aber kaum Stock-, Wasserflecken oder Risse. Nur das Vorsatz ist im Falz gerissen und die ersten sowie die letzten beiden Lagen sind lose. Ich werde das Leder reinigen und sättigen, vorsichtig vom vorderen, gerissenen Vorsatz ausgehend vom Rücken ablösen, das Papier der losen Lagen restaurieren, passendes neues Vorsatz aus echtem Bütten aufsetzen, die Lagen aufheften und den Buchblock wieder mit dem Einband verbinden. Wenn ich fertig bin, dann sieht das Buch auf den ersten Blick aus wie gehabt, nur ist die komplette Mechanik behutsam instandgesetzt und das Buch kann weitere 200 oder mehr Jahre überdauern.
 

Papierfischchen versus Werwolf! Und wer siegt? Das Fischchen – fast.

Um 1850 schrieb Willibald Alexis (eigentlich Georg Wilhelm Heinrich Häring, aber die Nähe zum Hering erschien ihm zu spottanfällig) seine vaterländischen Romane über die Geschichte Brandenburgs und Preußens vom 14. bis 19. Jahrhundert. Obwohl er als Begründer des realistischen historischen Romans gilt und als Schriftsteller unbestreitbare Qualitäten hatte, kämpfte er vor allem gegen Ende seines Lebens mit der harschen Enttäuschung über die wankelhafte Zuneigung seiner Leser und Verleger: 

„… Für servil galt ich dem Einen, während mich die Andern als revolutionair zur Untersuchung ziehen wollten; für zu vornehm auftretend Diesem, Jenem machte ich mich nicht rar genug. …“

So viel zum Werwolf, zurück zum Papierfischchen. Auf dem kleinen Foto links oben sieht man den horrenden Schaden: das winzige Tierchen hatte bereits den überwiegenden Teil des Kleisterpapiers, mit dem die Einbanddeckel bezogen wurden, vertilgt. Zwischen letzter Seite und Nachsatz entdeckte ich sogar einen Beweis für seine Anwesenheit, grob zerquetscht. Mein Kunde fand den Werwolf auf einem Flohmarkt und wünschte eine kostengünstige Restaurierung, auch gefiel ihm das Kleisterpapier nicht, er wollte Marmor. Bei eingehender Untersuchung fand sich kein aktiver Aggressor mehr, ich konnte mich also ganz auf die Beseitigung seines unermesslichen Hungers konzentrieren, löste Einband von Buchblock, entfernte die Überreste des Kleisterpapiers (Foto Mitte links), schloss den Riss im Leder am vorderen Falz, ersetzte das fehlende Kapital- und Lesebändchen und wählte aus meinem Fundus dieses aufregende, ein wenig blutig-gewalttätige Marmorpapier, um die alten Deckel neu zu beziehen. Nach intensiver Pflege des mürben Leders befestigte ich den Buchblock wieder im Einband – et voilà! – das Buch ist gerettet, mein Kunde ist glücklich und wieder einmal hat Literatur über die Schädlinge dieser Welt gesiegt. Möge es so weitergehen!
 

Heute mal ein schnelles Video aus meiner Buchrestauratoren-Werkstatt, in dem ich anhand einer französischen Ganzlederausgabe von 1671 erkläre, wie so eine Erstanalyse und Bestandaufnahme vor sich geht. Ich freue mich über Feedback, gerne zeige ich mehr dieser Art aus meinem Arbeitsalltag. Was interessiert Euch mehr, solche Analysen oder lieber einzelne Arbeitsschritte?

Link zu dem YouTube Video!

Coming soon...

Reparieren statt wegwerfen, Recycling statt Neukauf, das sind gute Konzepte, auch bei Büchern! Dafür hier eine sehr einfache Erste-Hilfe-Anleitung: 

Fehlt der hintere Deckel an einem Taschenbuch, dann nehmen Sie ein Stück Karton, beispielsweise eine im Format passende, hübsch bedruckte Umverpackung, und schneiden ihn mit einem Cutter und Lineal auf Buchformat zu. Vorsicht beim Klebstoff! Verwenden Sie lösungsmittelfreie Varianten. Bestreichen Sie eine Längsseite des Kartons schmal damit und setzen Sie den neuen Deckel genau im Falz auf. Legen sie ein zweites, schweres Buch darauf und lassen Sie alles gut trocknen. Am nächsten Tag schneiden Sie sich einen 2 cm schmalen Streifen kräftiges Papier in der Höhe des Buchblocks zu, falten ihn längs, öffnen ihn wieder und bestreichen ihn flächig mit Klebstoff. Fassen Sie den hinteren Falz damit ein, um den neuen Buchdeckel auch von außen zu fixieren. Der Papierstreifen klebt nun jeweils 1 cm auf den Buchrücken sowie auf dem neuen Buchdeckel und schließt mit der Ober- und Unterkante ab. 

Kostbare, alte, historisch bedeutsame Bücher dürfen so bitte nicht versorgt werden, die gehören zu uns Restauratoren! Aber Gebrauchsbücher können in dieser Art auch mal selbst „verarztet“ werden. Wie das genau und natürlich auch noch ein bisschen professioneller geht, das beschreibe ich in „Bücher restaurieren“, einer Anleitung für bibliophile Laien (erscheint 9/24).

Die Vereinten Nationen initiierten den heutigen Tag der Umwelt 1974, vor genau 50 Jahren, um: „das weltweite Bewusstsein und Handeln zum Schutz unserer Umwelt zu fördern“. Zwei Jahre, nachdem der Club of Rome seine Mahnschrift „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht hatte. Die Ereignisse der letzten Tage machen wieder mehr als deutlich, dass jeder gefordert ist, unsere Umwelt für uns und die folgenden Generationen zu schützen. Es kann kein „weiter so“ mehr geben. Ach, und auch darum bitte wählen gehen! Sehr wichtig.

Wasser ist unverzichtbar, elementar für alles Leben, klar, kann aber als Urkraft auch entsetzlich und bedrohlich sein, was wir alle, besonders hier im Süden, in den letzten Tagen gemerkt haben. Und dieses Wissen und auch die Auswirkungen der momentanen und zukünftigen anthropozänalen Wetterlagen werden uns nun wohl ständig begleiten. Auch darum: Es kann kein „weiter so“ mehr geben: demokratisch  wählen gehen! Sehr wichtig. Morgen ist auch noch UN-Welttag der Meere, es soll auf die Bedrohung der Weltmeere und ihre Bedeutung für uns Menschen aufmerksam gemacht werden. Schon wieder Wasser,  Wasser überall.

Übrigens auch in meiner Werkstatt. Nein, nicht als Folge der verheerenden Fluten, das Haus steht auf dem eiszeitlichen Flussbett von Vater Lech und durch den Kiesboden versickert der Regen – fast – so schnell, wie er fällt. Ich arbeite gerade für einen Kunden an einer Humboldt-Erstausgabe – yes! – das Fangirl in mir wedelt ganz aufgeregt mit seinen Pompons. Leider ist das edle Buch stark verschmutzt und hat einen veritablen Wasserschaden. Es muss Seite für Seite gewaschen werden, heute verwende ich das Wasser also als wunderbaren Helfer. In dem Foto sieht man Proben aus den einzelnen Arbeitsgängen, von Mal zu Mal hellt sich das Wasser auf, bis es wieder ganz klar ist. Und so hat – um Ovid zu zitieren – ein jedes Ding zwei Seiten … mindestens!

Bis heute habe ich noch keinen Song von ihr gehört, aber natürlich weiß ich, wer sie ist. Schließlich kann man inzwischen keine Zeitschrift – nicht einmal die Zeit – aufschlagen, ohne dieser überlebensgroßen Pop Ikone zu begegnen. In den USA wurde vor zwei Jahren eine Umfrage zu ihr gemacht, das Ergebnis: 98% kannten ihren Namen, eine traumhafte Quote. Atemlos wird erwartet auf welche Seite sie sich im US-Wahlkampf schlägt, man glaubt fest daran, dass das entscheidend sein wird. Die Süddeutsche Zeitung vermutet, dass ihr Bekanntheitsgrad inzwischen bei glatten 100% liegt. Ich lasse mir, während ich arbeite, von der freundlichen KI-Dame der SZ neue Artikel vorlesen und diese Zahl lässt mich doch kurz innehalten.

Dann schaue ich wieder auf die zerrissenen Seiten des Gesangbuchs von 1872. Wie klein und beschaulich diese Zeit war, als Johannes Mühlheimer jeden Freitagabend zur Probe in den Gasthof zum Hirschen lief und – den Flecken auf den Seiten nach zu schließen – nach einer deftigen Brotzeit und der ersten Halben die Tenorstimme im Männerchor sang.

Tempus fugit – amor manet, die Zeiten sind wirklich sehr andere geworden und nicht nur die  Liebe zur Musik bringt heute die seltsamsten Auswüchse hervor, aber letztendlich wird irgendjemand in 150 Jahren ähnlich über seine und unsere Zeit denken. Tun wir alle etwas dafür, dass diese Generationen dann immer noch in  Demokratie und Freiheit leben und es möglich bleibt, skurrilste Eigenheiten zu entfalten.

Über hundert Millionen Menschen sind laut UNO heute, am längsten und hellsten Tag im Jahr, auf der Flucht. Als meine Mutter ein kleines Mädchen war, musste auch sie in einer tiefschwarzen Nacht ihr Zuhause verlassen. Meine Großmutter und sie konnten nur einen kleinen Koffer mitnehmen und obwohl eigentlich jeder Kubikzentimeter mit Lebensnotwendigem gefüllt werden sollte, durfte sie ein Buch einpacken. Alles andere blieb zurück, Ihre Puppen, ihre Spielsachen, fast alle ihre Kleider. Dieses Buch begleitete sie viele Jahre, irgendwann ging es dann doch verloren. Sie hat uns manchmal von diesem winzigen Stück Heimat erzählt, was es ihr bedeutete, wenn sie zum hundertsten, zum tausendsten Mal darin blättern und lesen konnte. Für sie waren diese Seiten der Kit, der ihre auseinanderbrechende Welt auf magische Weise zusammenhielt.

Neulich bekam ich so einen Schatz gebracht. Mein Kunde lachte ein wenig verlegen, begann sich zu rechtfertigen, wollte erklären, warum er in diesen schwierigen Zeiten Geld für so etwas Unnützes wie die Restaurierung eines eigentlich vollkommen wertlosen Buches ausgeben will. Aber ich winkte ab. Es gibt den antiquarischen, bibliophilen, merkantilen Wert einer besonderen Ausgabe, klar, aber der persönliche, immaterielle, emotionale Wert ist oft ungleich höher zu gewichten.

Über hundert Millionen Menschen sind laut UNO heute, am längsten und hellsten Tag im Jahr, auf der Flucht und jeder einzelne von ihnen hat das Recht auf Schutz, denn: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Die Würde aller Menschen. Um Margot Friedländer zu zitieren: „Wir sind alle gleich – es gibt kein christliches, muslimisches, jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut.“

Und manchmal macht ein kleines Buch den Unterschied und schenkt Licht in einer dunklen Nacht.

Am internationalen Museumstag wird es primär um die herrlichen Sammlungen der Museen gehen. Kulturgut öffentlich zugänglich zu machen ist eine ihrer immens wichtigen Aufgaben. Eine weitere, vordergründig nicht so sichtbare, ist die Konservierung und der Schutz dieser für die Nachwelt unschätzbaren Objekte, zu denen auch Schriftgut zählt. Um – kostbare – Bücher, Autographen, Grafiken und Schriften aufzubewahren und vor den allgegenwärtigen Umwelteinflüssen zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten von einfach bis aufwändig. 

Zur dauerhaften Aufbewahrung eignen sich Schuber und Kassetten bestens. Ein Schuber ist an fünf Seiten offen, wird mit oder ohne seitliche Eingrifflöcher gefertigt, und kann ganz einfach aus gefaltetem und/oder geklebtem Karton bestehen oder aufwändig und buchbinderisch anspruchsvoller aus stabiler Pappe, bezogen mit geeignetem Leder, Leinen oder Papier. Ein vorwiegend ästhetischer und systematischer Vorteil ist der sichtbare Buchrücken, ein Nachteil hingegen ist, dass das Buch nicht wirklich staubsicher aufbewahrt werden kann. Dem kann man durch eine Sonderform entgegenwirken, dem Schuber mit Buchschuh. Der Buchschuh ist ein etwas größerer Stehsammler, der an zwei Seiten geöffnet ist, er steht als Platzhalter im Regal. Man schiebt das Buch in dem eigentlichen Schuber mit der geöffneten Seite nach hinten hinein und hat nun eine überwiegend staubsichere und lichtgeschützte Aufbewahrungsmöglichkeit. Der Buchtitel und ggfs. weitere Details wie Sammlungsnummern etc. wird in diesem Fall i.d.R. als Rückenschild auf der Rückseite des Schubers angebracht. 

Mein Favorit, die Klappkassette, ist in ihrer Mechanik wie ein Buch aufgebaut. Sie besteht vereinfacht gesagt aus zwei Deckeln, die mit einem weiteren Pappstück, das in der Höhe dem Füllgut entspricht, zusammengehängt wird. Klappt man die Kassette auseinander, befindet sich i.d.R. auf der rechten Seite ein drei- oder vierseitig geschlossener Kasten, in dem das zu schützende Objekt liegt. Auf dem linken Deckel befindet sich ein weiterer, immer dreiseitig gearbeiteter Kasten, etwas größer als der rechte, der ihn passgenau umschließt. In den rechten Kasten kann man ein Grafikbett einarbeiten. Es ist auch möglich mehrere, lose Grafikbetten übereinander einzustapeln. In einer gut gearbeiteten Kassette ist das Kulturgut bestens vor Umwelteinflüssen geschützt.

Am Welttag der kulturellen Vielfalt erinnere ich mich an ein unvergessliches Erlebnis auf dem Bücherbasar „Sahaflar Çarşısı“ in Istanbul. Ich war 21 und im zweiten Jahr meiner Lehre zur Handbuchbinderin, als ich mit einer Reisegruppe „Auf den Spuren des antiken Christentums“ durch Griechenland und die Türkei reiste. 

Als sich die anderen Teilnehmer meiner Reisegruppe auf dem großen Basar in Istanbul tummelten, wollte ich lieber durch Bücherstapel stöbern, von dem berühmten Sahaflar Çarşısı hatte ich gelesen und er war für mich eine der Hauptattraktionen der gesamten Reise. Zuvor hatten meine Mitreisenden mir aber noch abverlangt, ich müsse unbedingt handeln um was immer ich auch erwerben wolle, das sei in diesem Kulturraum unerlässlich für ein gut getätigtes Geschäft. 

Ich spüre noch die Erleichterung, als ich durch ein Tor den beinah andächtig stillen Bücherbasar betrat und den Lärm des großen Marktes hinter mir lassen konnte. Ich kann mich heute nicht mehr erinnern, ob es außer mir noch andere Besucher gab. Ich ging zu einem Stand, der besonders alte und auch besonders defekte Bücher anbot – schon damals gab es für mich nichts Spannenderes als die Buchrestaurierung – und nahm einen furchtbar staubigen und wurmzerfressenen Lederband in die Hand. Der Händler trat um seinen Karren herum und fragte mich in hervorragendem Englisch, ob ich das Buch zu kaufen gedenke. Ich wollte schon mit „Ja!“ antworten, als ich mich an die mahnenden Worte meiner Mitreisenden erinnerte und fragte tapfer nach seiner Preisvorstellung. Als er mir den Betrag nannte, nahm ich noch einmal allen Mut zusammen und erwiderte mit einer etwas niedrigeren Summe. Mit einem zutiefst verächtlichen Blick erklärte er mir, dass wir nicht auf dem großen Basar seien, hier würde nicht gehandelt. Beschämt zahlte ich ihm den verlangten Kaufpreis und eilte mit meiner Beute davon. 

Bis heute weiß ich nicht, ob das tatsächlich so stimmte, oder ob ich an einen besonders guten Menschenkenner geraten war, das Buch habe ich selbstverständlich noch und halte es in Ehren. Natürlich wusste ich auch schon damals, dass die Buchkunst in der islamischen Welt hoch angesehen ist und eine reiche Tradition besitzt. Ein wesentlicher Unterschied zu unseren westlichen Bindetechniken besteht aber darin, dass ein Einband in der Regel nicht nur aus den beiden Buchdeckeln besteht, an dem hinteren Deckel ist durch einen Steg in Buchblockhöhe noch eine Klappe angefügt, die sogenannte „Zunge“, die auf den Vorderdeckel umgeklappt wird und den Buchschnitt zur Gänze schützt. Auch mein Buch aus Istanbul ist in dieser Art gebunden, eine Technik, die ich gerade wieder einmal für einen aktuellen Restaurierungsauftrag adaptiere. 

Ein schlichter Pergamentband enthält einen der größten Schätze unseres Landes, die Urfassung des Grundgesetzes mit den Originalunterschriften von Konrad Adenauer und allen anderen Teilnehmern des Parlamentarischen Rates. Adenauer, der später erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wurde, hat es im Auftrag von Frankreich, Großbritannien und USA in dem Zeitraum vom 1. September 1948 bis zum 23. Mai 1949 als Vorsitzender dieses Parlamentarischen Rates zusammen mit den Delegierten der elf westlichen Bundesländer und Berlin erarbeitet. Diesem Rat aus siebzig Politikern gehörten nur vier Frauen an. Zwei von ihnen, Elisabeth Selbert und Friederike Nadig, kämpften erfolgreich um die Aufnahme des zweiten Absatzes in Artikel 3, „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, ein Zusatz, der „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ schlüssig ergänzte. Was für grandiose Frauen. 

Das Original hat unschätzbaren Wert und wird permanent – bis auf zwei Ausnahmen – in einem Tresor im Deutschen Bundestag aufbewahrt. Nur zur Vereidigung eines neuen Bundespräsidenten oder einer neuen Bundeskanzlerin wird es – aufgeschlagen auf der Seite mit der Vereidigungsformel – der Öffentlichkeit präsentiert. Im Reichstagsgebäude, direkt neben dem Eingang zum Plenarsaal, wird nur ein Faksimile ausgestellt. In Artikel 1 stehen gleich im ersten Absatz diese wunderbaren Sätze: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“.

Eigentlich wollte ich heute etwas über die Gesetzmäßigkeiten erzählen, die für die Restaurierung alter Bücher gelten. Aber das ist Stoff für eine andere Geschichte. Heute feiern wir die Demokratie!

Am Weltspieltag ruft das Deutsche Kinderhilfswerk 2024: „Nachhaltigkeit spielerisch entdecken!” 

Nachhaltigkeit sehe ich im engen Zusammenhang zur Restaurierung und in meinem Bereich denke ich da sofort an geliebte Bilderbücher, die durch häufigen und manchmal etwas grobmotorischen Einsatz im Kinderzimmer zu leiden hatten.

Das wiederum bringt mich auf ein extrem interessantes Thema, mit dem ich mich aktuell vertieft auseinandersetze. Es gibt einen philosophisch beeinflussten Ansatz in der Restaurierung, der den Befall mit Mikroben, aber auch Defekte an sich als durchaus positiv bewertet. Was auf den ersten Blick seltsam erscheint, wird schlüssig, wenn man die kleinen Bakterien, Sporen, Insekten, aber auch die Risse und Daktylogramme als Zeitzeugen definiert, die die Provenienz und den historischen Kontext eines solchen Schriftgutes erhellen. Alte, viel gelesene und betrachtete Bücher entwickeln demzufolge also eine mindestens zweischichtige Persönlichkeit? Ein spannendes Gedankenspiel, das mich als Restauratorin fasziniert, leitet und hin und wieder auch sehr amüsiert. Ganz ehrlich unterhalte ich mich nämlich ziemlich oft mit meinen "Patienten", auch wenn sie mir natürlich nicht laut antworten… 

 

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